Politik
Montag, 12. August 2019
Berlin – 965 der 1.942 Krankenhäuser in Deutschland haben im Jahr 2017 Pflegefachkräfte ausgebildet. Das sind weniger als 50 Prozent, wie aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine schriftliche Anfrage der pflegepolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Pia Zimmermann, hervorgeht.
Die Zahlen stammen aus der Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamts. Dabei wurden an 199 Ausbildungsstätten Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie an 914 Ausbildungsstätten Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet. Die Gesamtzahl der Ausbildungsplätze für diese beiden Berufsgruppen lag bei 80.285.
„Es ist für kleinere Krankenhäuser nicht möglich, eigene Pflegeschulen zu unterhalten“, erklärte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf Anfrage des Deutschen Ärzteblatts. „Diese können auch häufig nicht im Ansatz die vorgegebenen Einsatzbereiche während der Ausbildung abdecken.“
Bei Krankenhäusern ab 200 Betten hingegen liege der Anteil der Krankenhäuser mit Pflegeschulen bei 80 bis 90 Prozent. „Im Übrigen ist das auch so im Finanzierungssystem angelegt: Durch die weitgehende volle Refinanzierung der Pflegeausbildung können Krankenhäuser über Bedarf ausbilden“, so die DKG.
Linke: Keine klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten
Um den Pflegemangel zu beben, wurde in der zur „Konzertierten Aktion Pflege“ gehörenden „Ausbildungsoffensive Pflege“ vereinbart, dass sowohl die Zahl der Ausbildungsstätten in Deutschland als auch die Zahl der Auszubildenden bis 2023 um zehn Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 gesteigert werden soll.
Derzeit bereite das Statistische Bundesamt eine Sonderauswertung der Pflegestatistik 2019 vor, in der die Zahl der ambulanten Pflegedienste und stationären Pflegeeinrichtungen ausgewiesen werden solle, die zum Stichtag 15. Dezember 2019 Auszubildende beschäftigen, wie das Bundesfamilienministerium auf eine weitere Anfrage erklärte. Die Ergebnisse würden voraussichtlich Ende 2020 vorliegen.
„Die Konzertierte Aktion Pflege wird zum Rohrkrepierer“, meint Zimmermann. Denn die Vereinbarungen verschleierten den Handlungsbedarf angesichts der tatsächlichen Probleme.
Dass die Bundesregierung nun eingestehen müsse, dass gerade für die Ausbildung im Bereich der Altenpflege, in der die Probleme besonders gravierend seien, erst Ende 2020 Zahlen vorliegen würden, sei ein Unding. Zudem drohe ohne eine klare Zuordnung der Verantwortlichkeit für die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten ein wichtiger Teil der Vereinbarungen verfehlt zu werden.
In dem Abschlussbericht der Konzertierten Aktion heißt es unter anderem: „Die Partner der Ausbildungsoffensive setzen sich zum Ziel, auch bisher nicht an der Ausbildung beteiligte Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zur Ausbildung zu motivieren und dadurch die Zahl der ausbildenden Einrichtungen bis zum Ende der ‚Ausbildungsoffensive Pflege‘ im Jahr 2023 im Bundesdurchschnitt um zehn Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2019 zu steigern.“ © fos/aerzteblatt.de